Die Einträge gehörten zur Sammlung von George Petrie, einem irischen Künstler und Altertumsforscher. Viele Jahre später arbeiteten sich Mitarbeitende des National Museum of Ireland durch die alten Verzeichnisse. Sie suchten nach Dingen, die man erwartet: Äxte, Gewandnadeln, Pferdegeschirr. Immer wieder tauchten die beiden Steinflaschen auf. Also suchten sie nach ihnen.
Sie lagen nebeneinander in einer Schublade.
Es sind kleine, langgezogene Gefäße aus hellem Stein. Eines ist beschädigt, das andere erhalten. Solche Formen erinnern an alabastra, Behälter für duftende oder medizinische Öle, wie sie aus Ägypten, Griechenland und dem östlichen Mittelmeerraum bekannt sind. Ein Geologe des Museums hielt den Stein für möglicherweise gipshaltig; im Inneren des beschädigten Stücks erkannte man Spuren einer Bearbeitung, die ebenfalls zu dieser Gefäßform passen könnte.
Und nun kommt Lucan ins Spiel. Der Katalog behauptet, die Stücke stammten aus einem dortigen Rath, einer alten Befestigung. Schon eine Ausgabe des Dublin Penny Journal von 1832 erwähnte in der Nähe des Ortes einen „dänischen Rath“. Das ist eine historische Bezeichnung, keine Herkunftsbestimmung für die Flaschen. Der Fundort ist in einem alten Verzeichnis überliefert; ein moderner Grabungsbericht mit ununterbrochener Beweiskette ist das nicht.
Petrie selbst nannte eines der Stücke später eine ägyptische Alabasterflasche. Andere Forschende waren vorsichtiger und dachten auch an römische oder spätere Zusammenhänge. Als sie darüber stritten, waren die Gefäße im Museum noch nicht wieder lokalisiert. Eine Debatte über Gegenstände, die irgendwo in der eigenen Sammlung lagen: Die Archäologie kann gelegentlich erstaunlich viel Geduld mit sich selbst haben.
Die wiedergefundenen Stücke machen die Frage besser. Sie beantworten sie nicht. Wo wurden sie hergestellt? Wann kamen sie nach Irland? Wurden sie wirklich an dem überlieferten Ort gefunden? Zwischen „sieht aus wie“ und „kam aus Ägypten in ein irisches Ringfort“ liegt eine Strecke, die kein Etikett allein überbrückt.
Vielleicht wird die Geschichte eines Tages durch neue Untersuchungen klarer. Im Moment gefällt mir an ihr gerade die offene Schublade: zwei echte Gefäße, ein alter Eintrag und eine Reise, deren Fahrkarte fehlt.

