Nach Darstellung des örtlichen Verschönerungsvereins hat er unter anderem deshalb überlebt, weil der Stadt das Geld fehlte, ihn abzureißen.
Den Satz muss man kurz stehen lassen. Normalerweise verdanken wir den Erhalt historischer Bauwerke weitsichtigen Menschen, großer Beharrlichkeit und gelegentlich jemandem, der sich vor einen Bagger stellt. Hier scheint zumindest eine Zeit lang ein zu hoher Kostenvoranschlag entscheidend gewesen zu sein.
Auch die Geschichte schuldet manchmal dem Menschen etwas, der einen Umschlag öffnet, auf den Betrag schaut und ihn wieder in die Schublade legt.
Ursprünglich sollte der Zaun Fische fangen. Seine Arme laufen im Wasser aufeinander zu und leiten die Heringe in Reusen. Pfähle und Flechtwerk bilden die Sperren. Die Fische folgen dem vorgegebenen Weg, bis sich herausstellt, dass dieser Weg hauptsächlich im Interesse des Fischers angelegt wurde.
Eine ziemlich kluge Konstruktion. Ein erheblicher Teil der Überzeugungsarbeit ist erledigt, bevor der Fischer überhaupt kommt. Der Hering übernimmt die Bewegung. Der Zaun kümmert sich um den bedauerlichen Ausgang.
Vom Ufer aus sieht das alles ausgesprochen untätig aus. Aber es macht einen Unterschied, ob etwas nichts tut oder so geschickt dasteht, dass andere die Arbeit erledigen. Ein gut platzierter Heringszaun gehört zur zweiten Gruppe.

Allerdings muss man ihn dort auch aufstellen dürfen.
An dieser Stelle bekommt die freundliche Hafenansicht schlechte Laune.
Ein historischer Beitrag auf der Website der Stadt Kappeln schildert die langen Auseinandersetzungen zwischen den adligen Gutsherren an der Schlei und den Fischern vom Schleswiger Holm. Die Gutsherren legten Fischzäune an und erweiterten sie. Holmer Fischer wurden vertrieben, ihre Netze geraubt. Dasselbe Wasser zu nutzen bedeutete offenbar noch lange nicht, sich auch über dessen Ertrag einig zu sein.
Eine Reihe von Pfählen konnte darüber entscheiden, wer den Fisch bekam. Für den Eigentümer war das eine ausgezeichnete Einrichtung. Ein Fischer, dessen Lebensunterhalt auf der anderen Seite der Sperre vorbeischwamm, hatte weniger Anlass zur Begeisterung.
Hinzu kamen die Schiffe. Der historische Beitrag gibt einen Text aus dem 17. Jahrhundert wieder, in dem es um die Vermessung und Regulierung der Zäune geht. Für die Schifffahrt musste eine Fahrrinne frei bleiben. Irgendwann waren die widerstreitenden Ansprüche also auch eine Frage von Maßen und Abständen.
Es hat etwas Beruhigendes, dass ein Streit so alt werden kann, bis schließlich jemand mit einem Messgerät auftaucht.
Dahinter standen Arbeit, Essen und Familien, die ein Einkommen brauchten. Ein geraubtes Netz war für seinen Besitzer ein sehr handfestes Problem. Über den Verwaltungsaufwand eines malerischen Zauns darf man schmunzeln. Die Menschen, denen das Werkzeug zum Lebensunterhalt abgenommen wurde, hatten vermutlich weniger Freude daran.
Der Holm und Kappeln gehören in dieser Geschichte zusammen. Die Fischer weiter landeinwärts und die Zäune weiter unten an der Schlei waren Teile desselben Systems. Was heute wie ein stilles Detail in der Aussicht einer Stadt wirkt, reicht bis in den Arbeitsalltag einer anderen hinein.
Auf einem Foto passen alle friedlich ins Bild. Die Geschichte ist da weniger entgegenkommend.
Als sich die Fischerei veränderte und die alten Zäune an Bedeutung verloren, geriet das Kappelner Exemplar in eine heikle Lebensphase. Es war bereits lästig, aber noch nicht unentbehrlich für das Bild, das sich die Stadt von sich selbst machte.
Das ist für vieles, was Menschen gebaut haben, ein gefährliches Alter. Die ursprünglichen Nutzer haben sich anderen Dingen zugewandt. Die späteren Bewunderer haben noch keinen Verein gegründet. Irgendjemand beginnt einen Satz mit: „Könnte man das nicht einfach …“
Der von der Stadt veröffentlichte historische Beitrag berichtet von Verhandlungen über den Erwerb des Zauns, die 1910 wieder aufgenommen wurden. Der Zaun galt als Gefahr für die damalige Pontonbrücke. Man wurde sich einig. Doch der Abbruch war der Stadt zu teuer.
Der Verschönerungsverein erinnert mit verständlicher Dankbarkeit an diesen glücklichen Geldmangel. Dabei sollte man die Herkunft der Erzählung im Blick behalten. Eine Geschichte dieser Länge lässt sich kaum vollständig mit einer einzigen Rechnung erklären. Gerade das unspektakuläre Detail macht sie aber reizvoll: Es gab einen Zeitpunkt, an dem man den Zaun gern losgeworden wäre. Nur bezahlen wollte man dafür dann doch nicht so viel.
Wer vom Verschwinden bedroht ist, tut gut daran, die günstigere Lösung zu bleiben.
Später entschieden sich Menschen bewusst für seinen Erhalt.
Der historische Beitrag berichtet, dass Ellenberger Schulkinder dafür eintraten, bevor die Stadt 1977 die Verantwortung übernahm. Das berührt mich an dieser Geschichte besonders. Kinder setzten sich für etwas ein, das Erwachsene längst als überholt betrachten konnten. Sie baten die Stadt, es mitzunehmen in die Zukunft.
Etwas muss nicht eindrucksvoll aussehen, um den Menschen wichtig zu sein, die daneben aufwachsen.
Der Verschönerungsverein erinnert an die Feier zur Wiederherstellung des Zauns 1978. Im folgenden Jahr fanden die ersten Kappelner Heringstage statt. Aus der unbequemen alten Fanganlage war ein Anlass geworden, zusammenzukommen und sich um ihren Fortbestand zu kümmern.
Für einen Zaun, den man einmal weghaben wollte, war das ein beachtlicher gesellschaftlicher Aufstieg.
Mit dem Fest war die Arbeit allerdings nicht erledigt. Man stellt sich Denkmalschutz gern als einen erfolgreichen Nachmittag vor: Beschluss gefasst, Band durchgeschnitten, alle vor dem Regen wieder zu Hause. Ein Holzbauwerk in bewegtem Wasser hält sich selten an dieses Programm.
Die aktuelle Darstellung der Stadt beschreibt, wie Schiffsbohrmuscheln die tragenden Pfähle aushöhlten. Der Zaun wurde in zwei Abschnitten erneuert. Der zweite war im Juni 2026 abgeschlossen. Zum Einsatz kamen Eukalyptuspfähle, die dem Befall besser standhalten.
Auch ein Kulturdenkmal muss mit Lebewesen zurechtkommen, die noch nie an einer Ratssitzung teilgenommen haben und keinen Grund sehen, damit anzufangen. Man kann einem Pfahl seine historische Bedeutung ausführlich erläutern. Das Tier darin wird währenddessen weiteressen.
Neues Holz ersetzt altes Holz. Menschen bringen Zeit, Geld und Werkzeug mit. Die überlieferte Form bleibt sichtbar, weil sich wieder jemand an die Arbeit macht.
Das macht den Heringszaun zu einem bemerkenswert ehrlichen Denkmal. Er kann gar nicht erst den Eindruck erwecken, seit Jahrhunderten unberührt herumzustehen. Sein Fortbestand besteht aus Ausbesserungen, Ersatz, Diskussionen, gesammeltem Geld und der wiederholten Feststellung, dass Wasser den Dingen zusetzt.
Erhalten bleibt die Anordnung: wie die Sperre im Wasser steht, welche Fangmethode sie zeigt und was sie mit den Menschen verbindet, die hier ihren Lebensunterhalt verdienten. Mit jeder Reparatur entscheidet die Stadt erneut, dass dieses Gebilde zur Aussicht gehört.
Schauen wir noch einmal auf das Foto. Kappeln hat weiterhin seine Boote und seine Häuser am Wasser. Das Abendlicht lässt sich von der ganzen Angelegenheit nicht stören. Die niedrigen Pfähle sind immer noch leicht zu übersehen.
Aber inzwischen stehen hinter ihnen Fischer und adlige Eigentümer, eine gefährdete Brücke und Kinder, die Erwachsene um den Erhalt baten. Dazu kommen Freiwillige und Rechnungen, Ersatzholz und Tiere mit ganz eigenen Vorstellungen von dessen Verwendung.
Ziemlich viel für etwas, das kaum den Kopf aus dem Wasser hebt.
Einmal war der Stadt das Entfernen zu teuer. Später fand sie Gründe, für den Erhalt zu bezahlen.
Der Zaun ist ungefähr an derselben Stelle geblieben. Der Streit um ihn hat sich vollständig verändert. Für eine Reihe von Holzpfählen ist das eine ausgesprochen ordentliche Laufbahn.

